Mittwoch, 28. November 2012

Morgens, halb zehn ...



… in einem deutsch-deutschen Besprechungszimmer …


Deutschsprechende Kollegen fachsimpeln:

Die Connectivity.
Key Differentiators.
Special requirement
End-to-end visibility …
On top …
Was ist eigentlich mit dem Sourcing?
Business Intelligence.
Business Ebene.
Best Practises.
„Gebranded.“
Technische Tools.
Messages schicken.
Eine Invoice.
Shipment Status.
Alerts.
Response Change.
Paperless Invoice.
Delivery Forecast Lösung.
Container Tracking im Ocean Bereich.
This can be a Stolperstein.
Procurement anfragen.
Kompletter Testloup.
Cloud Solution.
Projekt approval.
Owner der Technologie.
Doppel Back-Flip.

Anderes Meeting, anderer Place:

Sales Pitch.
Networking.
Business Networks.
On-Premise Lösung.
Finance-Procurement
Pushen.
High-Level Zusammenfassung.
Add-On.
Onboarding Capabilities.
Onboarding Team.
Aufwand Reductionworkflow.
Workflow Komponente.
In Scope.
Out of scope.
Best Practise Erfahrungen.
Ready to transact.
Daten Mapping.
Basic Checks.
In der Relationship mit …
Einkäufer Community.
Referenz Cases.
Real time.
Commercial Kick-off.
Verursacht hohen traffic.

Dies nur rein kleiner Extract dessen, was während des Meetings besprochen und anschliessen aligned wurde. Der space reicht hier wohl nicht aus, um alles visible zu machen.

In diesem Sinne …
Take care !

Eure MJ

Dienstag, 20. November 2012

Der Zahn der Zeit



Es ist mal wieder soweit.
Es gibt Neuigkeiten aus meinem kleinen beschissenen Leben …
Oder nennen wir es einfach nur mal „Alltag“.

Der geneigte Leser wird es schon an der ein oder anderen Stelle herausgelesen haben, dass ich zu so ziemlich all meinen Haus- und Hofmedizinern ein mehr oder minder freundschaftliches Verhältnis pflege. So bin ich mit ihnen auf Du-und-Du, kenne ihre Telefonnummern, die ich gerne auch mal für medizinisch gelagerte Fragen oder gar Notfälle „misbrauche“, oder aber bereits mit der Diagnose in der Tasche bei ihnen aufschlage.

In meinem heutigen Fall geht es um den Dentisten … Zunächst jedoch ein paar Sätze zur Vorgeschichte.

Mutter Natur hat mich nicht gerade mit gesunden und starken Beisserchen bedacht. Und da dem so war bzw. noch immer so ist, beschlossen wir – also mein Zahnarzt und ich – all jene hässlich grau-schwarzen Amalgamfüllungen gegen schöne, weisse Keramik-Krönchen und –Inlays auszutauschen. Dies macht man, so lernte ich, indem man Quadrant für Quadrant von der hässlichen Füllung befreit, wahlweise mal noch nebenbei eine Wurzelbehandlung durchführt und dann den Zahn für denen Überzug vorbereitet.
Zuletzt waren wir mit dem dritten Quadranten – jener links unten – beschäftigt. Drei ganz neue Keramikrönchen wurden bereits im Januar diesen Jahres angefertigt und seinerzeit, während eines Deutschland Kurzbesuches, eingesetzt.

Auf den ersten Blick sah alles ganz fein aus. Auf den Zweiten mussten wir allerdings feststellen, dass die neuen Beisserchen etwas zu niedrig geraten waren und somit keinen Kontakt zur oberen Zahnreihe hatten. Glücklicherweise gibt es technische Möglichkeiten, die es ermöglichen, den Fehler zu einem späteren Zeitpunkt zu korrigieren. Dies geschah dann im Juli, nach meiner Rückkehr aus dem FlipFlop Land.
Ich also hin zum Doc, er die Zähne raus, ein Provisorium anfertigen, eine Woche später wieder hin und dann? Tja, und dann sitzt und passt alles.
Auf den ersten Blick.
Nach 2-3 Tagen passt dann wieder nix mehr. Ich verliere den Kontakt zur oberen Zahnreihe, kaue wieder ins Leere und während ich noch mit mir und all den anderen Dingen im Leben kämpfe, frage ich mich, was ich wohl verbrochen hab, dass ich das verdient hab.

Es hilft alles nix.
Wochen später schlage ich wieder beim Doc auf und erkläre mit Händen und Füssen, wo das Problem liegt. Ich kann es nicht ordentlich erklären, er versteht mich nicht und dann holen wir das Modell und ich kann es ihm zeigen. Es folgt der AHA-Effekt, ein bisschen Ausprobieren etc., um am Ende zum Ergebnis zu gelangen, dass die Zähne noch immer viel zu niedrig sind, der Kontakt zu den oberen fehlt und wir den Techniker brauchen.

Was folgt, ist ein Termin der insgesamt 4 Stunden dauert. Abwechselnd arbeiten Techniker, Assistentin, Zahnarzt am Esszimmer. Ich muss immer nur so tun, als leide ich an Schnappatmung: Mund auf, beissen, klappern, beissen, Kiefer nach links, Kiefer nach rechts, klappern, Mund zu. Dazwischen darf ich mich immer wieder „ausruhen“, bevor das Spiel wieder von vorne losgeht.
Vier Stunden später dann die Erfolgsmeldung: Sitz, passt, wackelt und hat Luft.
Ich werde nach Hause entlassen.

Gestern dann ein erneuter Besuch beim Zahnarzt.
Ihr könnt wetten, ihr wisst schon warum. Klar, es passt mal wieder so rein gar nichts.
Ich mach den Mund auf, beisse, klappere, schiebe den Kiefer hin und her … Dann die Erkenntnis: Es fehlt der Kontakt zum Oberkiefer!!!
Ratlos sitzen wir alle im Praxiszimmer: „Abe es hat doch gepasst“, sagt der Mediziner immer und immer wieder. „Ich versteh das nicht!“

Tja, ich versteh’s auch nicht …
Aber ich hab ja zuviel Zeit in meinem KBL … Nochmal 4 Stunden … Mit dem Arzt und mit dem Techniker und mit der Assistenz …

Ich glaub, ich werde mir daran echt noch die Zähne ausbeissen – vorausgesetzt ich hab Kontakt …

Gehabt euch wohl.
Ich.

Sonntag, 28. Oktober 2012

doppelt gemoppelt ...

... haelt besser !!!


ich bin genesen und zur belohnung gab's gestern eine ausgedente shopping tour ...
in den sonntag bin ich mit lekker kaffee gestartet und da die naechsten wochenenden komplett verplant sind, galt es einen Versuch zu unternehmen, anzufragen, ob denn das penatenkind am heutigen sonntag spontan 'verfuegbar' ist ... schnell steht fest, dass der nachmittag im zeichen von geschichten vorlesen, kinderspielplatz und vor allem dem rueckentauglichkeitstest stehen ...

ich komme an und die familie isst noch ... wir beschliessen, zum spielplatz aufzubrechen ... waehren e. und ich die kids zusammentrommeln, macht sich m. schin mal auf den weg zum reifenwechseln. er geht und keine 5 minuten spaeter klopft er wieder an der tuer und ich voellig ausser sich ...

tja, lange rede kurz ... m. ist im rueckeaertsgang auf 'mein hinterteil' aufgesetzt ... drei schoene grosse schrammen ueber den hinteren stossfaenger verteilt, ein riss prangt neben dem nummernschild ...
so. da haben wir nun den salat ...

das vertrackte an der situation: in zwei wochen haette ich den wagen sowieso in die werkstatt bringen muessen, denn es sollte nun endlich - nach ueber einem jahr - der auffahrschaden vom vergangenen september repariert werden ... jetzt ist der urspruengliche schaden nicht mehr zu erkennen (war eh nur ein ganz kleiner) dafuer wurde das drumherum heute nochmal. 'verschoenert' ...

jetzt blick mal da einer durch, wer mit wem gegen wen ...
morgen muss ich dann malbei der werksatt meines vertrauens anrufen, um das mal zu klaeren ...

ein spannender sonntag ...
und immer wieder ich ...

es lebe das kleine beschissene (aber keineswegs langweilige) leben ...

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Von Auszeiten ...

… und was mich sonst noch anstrengt.


Generell habe ich gegen Auszeiten ja nichts – aber auch rein gar nichts – einzuwenden. Zumindest solange nicht, wie es sich um Urlaube, Freizeiten oder Wochenenden handelt.

Seit nunmehr fast 14 Tagen liege ich – zu totaler Bewegungslosigkeit verdammt – wahlweise im Bett oder auf dem Sofa. Der einzige Handgriff, der mir recht leicht von der Hand geht, bzw. ging, war die Betätigung des Reglers für mein Heizkissen. Ein widerlicher grippaler Infekt sass mir in den Gliedern, der Kopf schmerzte und das Fieber tobte. Damit jedoch nicht genug … Nein, die Hexe noch im Kreuz und ich hab volles Programm. Jedes Husten, Niesen, Naseputzen reisst mir die Lendenwirbelsäule in gefühlte elfundachtzig Einzelteile.

Da fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Irgendwie ist mir alles zuviel … Bloss nicht anstrengen. Lesen fällt mir schwer. Radio nervt. Was bleibt, ist mir die Zappingvielfalt meines digitalen Fernsehens.
Morgens kann ich mir dann noch vor dem Zähneputzen die Wiederholung von „Unter uns“ und „GZSZ“ ansehen und beginne mich dann schon zu fragen, in welcher Welt lebe ich eigentlich. Auf meinem Weg durch die HD Welt bleib ich dann bei 2 Blondinen hängen, die gerade mal den Wendler verklagt haben, weil der mit ganz viel Geld, was ihm gar nicht gehörte, durchbrennen wollte. Doch der Posch hat’s richten können.

So drück ich weiter erfahre, dass die Hausfrau aus Schiessmichtot ausserordentlich viel Wert auf Sauberkeit, tägliches Staubsaugen und Putzen legt. Untermalt wird diese Information mit bunten Bildern von verschimmelten Schubladen, verranzten Herdplatten, verdreckten Küchenecken, in welchen Katzenkot liegt und einem gänzlich versifften Badezimmer. Es ist Frauentauschzeit, mir wird schlecht und ich zappe weiter. Und plötzlich bin ich „Mitten im Leben“. Die 15jährige Mutter eines 1jährigen Kindes streitet sich vor laufender Kamera mit wemauchimmer über wasauchimmer.

„Verklag mich doch“ schreit es mir auf einem anderen Kanal entgegen, doch da grad Werbung läuft, lande ich diesmal bei der Tauschfamilie. Dort herrschen offensichtlich geordnete Verhältnisse (was die Wohnung angeht). Was die Tauschfrau angeht, können in ihrem Kopf wohl keine geordneten Verhältnisse herrschen … Egal, ich mach dann mal weiter …
… Studentin Sabrina und Maurermeister Olaf renovieren gerade „Unsere erste gemeinsame Wohnung“ und tragen ihre Uneinigkeit hinsichtlich der Wandfarbe im Baumarkt aus. Sabrina klimpert mit ihren Wimpern, Olaf lässt das lila-blassblau für’s Wohnzimmer mixen und dann geht’s auf zum Renovieren …

Es ist „Punkt 12“ und die Katja Burkard (oder so) lispelt sich durch high noon. Schon wieder ist ein Model gestorben und die Glitzerwelt ist schockiert. Verdammt, das Mädel war noch so jung und ein verschleppter Virus … Irgendwie bin ich froh, so flach zu liegen, dass ich gar nicht erst auf die Idee kommen kann, mich körperlich anstrengen zu wollen und damit gar eine Herzmuskelentzündung zu riskieren.
Doch auf dem Parallelkanal streitet sich ein Paar bei Kalwass darüber, was es mit der Fremdgeherei auf sich hat. Also, er hatte seiner Frau gebeichtet, er habe aus Versehen mit ihrer besten Freundin und so, aber es sei wirklich nur einmal passiert und so …

Was ist das? Ich hab mich mal weitergezappt und es läuft die „Shopping Queen“. 5 Mädels, jede kriegt 500 Euronen, und davon muss dann was geshoppt werden, was zum Wochenmotto passt … Aha … und so rennt dann jeden Tag eine andere los, kleidet sich in einem Landen mehr schlecht als recht ein und geht’s ab auf den Catwalk …
Währenddessen vercheckt in der Bundeshauptstadt bei „Berlin – Tag & Nacht“ irgendeiner Drogen an Minderjährige, die 15jährige Tochter gesteht ihren Eltern, dass sie in den 40jährigen Freund ihrer Freundin verknallt ist und ich bin wieder weg …

Zurück bei Kalwass. Inzwischen hat dann die Betrogene gestanden, dass sie ja selbst schon seit mehreren Jahren immer mal wieder einen anderen hat, weil sie ja Liebe und Sex trennen kann … Oder so. Danach dann „Britt“ mit weiteren sozialkritischen Themen, denen man im nüchternen Zustand gar nicht lauschen kann.

Der Rotz wiederholt sich. Ich lande wieder „Mitten im Leben“, über „Verklag mich doch“, über „X-Diaries“. Die „Schulermittler“ unterstützen wieder wo sie können, in „Verdachtsfälle“ wird aufgedeckt, dass Nachbar’s Rasen grüner ist, als der eigene, während die „Familie im Brennpunkt“ nicht weiss, wie sie ihr Sexualleben wieder auf die Reihe kriegen soll.

Dann ist fast schon wieder „Unter uns“-Zeit und man kann schon mal vorschauen, was man am nächsten Morgen in der Wiederholung zu sehen bekommt …

Nur noch 2 Tage, ein Wochenende und ich darf endlich wieder arbeiten gehen !!!! Und ich bin so so froh, dass die Wehwehchen inzwischen nicht mehr meinen Krankheitsalltag bestimmen und ich den Kopf wieder frei hab, um ganz viele andere Dinge tun zu können und den Fernseher aus zu lassen …

Es lebe Pay-TV !!!

Gehabt euch wohl,
Eure Jana

Dienstag, 25. September 2012

Oh what a day ...



*Quote*
„Das Schlimmste an einer schlaflosen Nacht sind die letzten zehn Minuten bevor der Wecker klingelt. Genau in diesen zehn Minuten findet der Körper endlich Schlaf. Man bekommt also eine Ahnung davon, wie schön es gewesen wäre.“
*Quote end*

Aktuell mein täglich Brot. Und da nur, weil wohl das L-Thyroxin in meinem Körper zu hoch dosiert ist und ich deshalb des Nachts keinen Schlaf finden kann.
Seit 10 Minuten weiss ich, dass mir weitere 4 Wochen Experimentieren bevorstehen. Erst wenn ich „stabil“ bin und ich wieder durchschlafen kann, kann die Schilddrüse erneut geprüft werden …
Doch dies sei nur am Rande erwähnt.

Seit geraumer Zeit passiert so gar nichts Aufregendes mehr in meinem kleinen beschissenen Leben. Also zumindest nichts, worüber zu schreiben, es lohnen würde.
Doch heute scheint wohl die grosse Ausnahme zu sein. Diese lässt mich sogar mal wieder vollständig aus meinem derzeit vorherrschenden Internetkoma auferstehen zu lassen.

Mit dem Knopf im Ohr betrete ich die heiligen Hallen meiner Firma. Hier ein „Hallo Dietmar“, dort ein „Hola, como estas?“ und am Ende noch ein „Hello Jasmine, it’s so good to see you!“. Die ganze Welt scheint mal wieder in Ludwigshafen zu Gast zu sein.
Mein Tagwerk beginne ich damit, meine Kurzreise nach Frankfurt vorzubereiten und während ich noch mit einem Kollegen telefoniere, souffliert mir unsere Assistentin ins Ohr, meine koreanische Kollegin sei unter Polizeischutz in die Firma gebracht worden, sitze nun samt Polizei beim Werkschutz und ob ich denn da nicht mal nach dem Rechten sehen könne.

Aber natürlich. Dafür sind Kollegen doch da. Ich schnappe mein Hab und Gut und das Jackett und eile 4 Stockwerke nach unten. Meine Kollegin sitzt zusammengekauert mit heruntergesunkenen Schultern im Stuhl, während dieses Prachtstück von Polizeimann (der sah aber auch verdammt gut aus !!!!) vor ihr steht. Natürlich habe ich H. zunächst getröstet und mich dann um die Details gekümmert, die mir dieser wahnsinnig interessant aussehende Polizist ausführlich erzählte.

Folgendes ist passiert:
Zwischen 0700 und 0710 wurde H’s Handtasche entwendet, also geklaut, während sie sich am Frühstücksbuffet noch etwas zu Essen holen wollte. Mitten im Hotel. Direkt beim Frühstück. Morgens in Deutschland.
Was für ne Sauerrei ist das eigentlich????
Unglaublich. Widerlich. Einfach „bäääääh“!!!
Pfui. Doppelpfui.

Dummerweise hat die Gute so ziemlich alles im Handtäschlein mit sich getragen. Reisepass. Kreditkarten. ID Card. Ihre Hochzeitsuhr, deren Batterie sie tauschen wollte, weil die Zeit stehen blieb.
Verdammt.

Da sitzt nun diese kleine, zierliche Koreanerin vor mir und weckt wohl so eine Art Muttergefühle. Sie wirkt nicht wie eine grosse, erwachsene Frau von 40 Jahren. Nein, eher wie ein kleines Mädchen, das man einfach beschützen und in den Arm nehmen muss. Sie weint. Doch sie lässt sich in den Arm und an die Hand nehmen, obwohl dies in ihrer koreanischen Heimat so gar nicht üblich ist.

Man mag es nicht glauben, an was man alles denken muss, wenn man den Ersatz organisiert. Ich studiere den Polizeibericht und wähle zu allererst die Nummer des koreanischen Konsulates. Herr Li spricht akzentfreies Deutsch und gibt Anweisung, sie solle morgen dort vorstellig werden, um einen Notfallreisepass zu beantragen. Die Schwierigkeit, vor der wir stehen: Sie ist Koreanerin, derzeit nach Hongkong delegiert und benötig eigentlich ein Visum, bzw. eine ID Card. Und so klären wir, ob sie überhaupt mit dem Notfallpass nach Hongkong einreisen darf. Sie darf.
Puuuuh – erst mal keinen Flug umbuchen.

Dann muss die Ausländerbehörde verständigt werden, denn schliesslich fehlt ihr der Einreisestempel im neuen Reisedokument. Diese kümmert sich um die Ausreisegenehmigung, damit es nicht zusätzliche Probleme gibt.
Mit dem Hotel komme ich überein, dass ausnahmsweise eine Rechnung an die Firma geschickt wird, damit diese anderweitig beglichen werden kann. Geht ja eigentlich auch nicht anders, wenn keine Kreditkarte mehr zur Verfügung steht.

Am Ende leihe ich ihr noch 200 Euro (der Betrag, der ihr mitgestohlen wurde), damit sie morgen den Pass zahlen kann und sich die nächsten Abende noch ernähren kann.

Meine Kollegen sind sensationell. Sie verteilen ihre Telefonnummern, bieten Hilfe an, laden sie zum Essen ein, trösten sie.
Und H. weint. Weint vor Rührung und erzählt mir vorhin, wie sehr sie es bereut, noch letzte Woche im Interkulturellen Workshop gesagt zu haben, sie fühle sich manchmal isoliert, wenn sie in Deutschland ist.

Ach, ich kann ihr so gut nachfühlen. Weiss doch gerade ich, wie wichtig Unterstützung in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, ist.
Und gleichzeitig bin ich so furchtbar sauer – also stinksauer – auf diese Person, die sich in einem renommierten Hotel an Dingen vergreift, die ihm / ihr nicht gehören.
200 Euro und 2.000 HK Dollar? Ist es das wert????

Gehabt euch wohl.

PS: Bleibt zu hoffen, dass sich der Herr Polizeimann noch meldet … Vielleicht findet sich ja die Tasche wieder … Hoffentlich mit dem Pass und der ID Card drin …

Sonntag, 12. August 2012

Für Eile ...

... fehlt mir die Zeit !!!


So auch der Titel eines gleichnamigen Buches, welches ich zwar vor einiger Zeit geschenkt bekam, jedoch bislang nicht gelesen habe.

Die Dinge in meinem kleinen beschissenen Leben überschlagen sich gerade. Da ist noch das unverarbeitete Zurückkommen aus Brasilenien, der Job in Good Old, in den ich mich erst wieder einfinden muss, die Casa, die zwar liebe, dennoch gerne verlassen würde wollen, das grosse dunkle, und vor allem schwarze Loch, in welches ich kürzlich gefallen bin und mich schwertu' genau da wieder rauszukommen!

Sack und Asche, was ist bloss los?
Das bisschen Grummeln im Magen kann doch nicht allein für diese Misere zuständig sein! Oder doch?

Gut, der Kulturschock reverse sitzt recht tief. Kleinbürgerlich und gutkariert empfinde ich das Fleckchen Erde, was ich vor 18 Monaten aus tiefster Überzeugung noch Heimat schimpfte. Inzwischen bin ich mir dessen nicht mehr so sicher. Wo gehör ich eigentlich hin? Gehör ich überhaupt? Hm, ich weiss es nicht, ich weiss es nicht.
Noch immer kreisen die Gedanken aktiv um meine Zeit in Brasilenien und auch Argentinien. Um die Menschen, die ich dort treffen und auch einen Teil meines Weges habe gehen dürfen. Einmal mehr lasse ich meiner Erinnerung freien Lauf und erschrecke ob der Tatsache, dass alles irgendwie, irgendwann und auch irgendwo endlich ist.
So ist zwar das tägliche Joggen nach getaner Arbeit geblieben, jedoch ist es nicht mehr DER Park, in welchem mir Marcio freundlich lächelnd begegnen könnte, oder aber Puerto Madero, Buenos Aires' schöner Hafen, an welchen ich zuweilen mit schmerzhaft, zurückdenke. Die Narben an meinen Kniene werden mich den Sturz am anderen Ende der Welt so schnell nicht vergessen lassen.

Zu all diesen meinen Gedanken gesellen sich allerdings auch die Nieniewieders. Nie wieder Feijoada in der 'Bar Veloso' essen, nie mehr wieder spontan mit Schavier ein paar Chopinhos trinken, nie mehr wieder im Condo am Pool liegen, nie mehr wieder in BsAs am Hafen Joggen gehen oder gar mit Annemarie einen auf 'Al Bundy' machen, nie wieder Pincanha in der 'Bar do Juarez', nie mehr Pamela, nie mehr 'Boa Noitschi', 'Internetschi' oder 'Fastschi Foodschi'. Nie mehr wieder mit Miriam über dies und vor allem über das reden ...Eine kleine Million weiterer Niewieders fallen mir noch, doch ich möchte euch nicht langweilen ... Ein kleiner, wenn auch schwacher Trost: Die persönliche Finanzkrise ist geblieben.
Es ist vorbei. Nie mehr wieder wird das, was ich dort hatte, zurückkehren.

Der Kopf allerdings ist noch immer nicht frei, um Neues hineinzulassen. Zu fremd ist das Bekannte zu Hause. Ich fühle mich verloren in einer Welt, ich zu kennen glaubte. Ich fühle mich fremd, unter Menschen, die ich liebe, schätze, kenne, vermisste.
Ich wünschte, hier kann es auch wie dort sein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich sowieso in meiner einen Welt lebe, so wünschte ich, ich könnte in einer leben, in welcher all jene Menschen, die ich so gerne um mich herum habe, in greifbarer Nähe hätte.
Doch es versteht mich niemand.
Nein, das ist gewiss kein Vorwurf ... Wie kann mich denn einer verstehen, der nicht selbst mal in einer solchen Situation war? Nein, das wäre zuviel verlangt. Damit muss ich ganz allein klarkommen und ganz allein meinen Weg finden.

Ende letzter Woche überschlagen sich die Ereignisse und begraben mich unter einem Berg von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen. Der Brustkorb zieht sich zusammen, mir fehlt die Luft zum Atmen. Ein Overflow und Overkill an Durcheinandergedanken, die zu sortieren ich mich nicht im Stande sehe. Ich fühle mich wie 'La Linea', das weisse Linienmännchen auf blauem oder grünem Hintergrund, das ständig irgendwelche Knüppel zwischen die Beine gezeichnet bekommt. Diesmal jedoch fühlt es sich eher an, als sei dem Maler der Weissstift ausgegangen ...

Zu allerersten mal verspüre ich das tiefe Bedürfnis, raus zu müssen. Meine Hintergrundfarbe zu ändern, die Weichen wieder neu zu stellen, einen persönlichen Reboot zu initiieren und das Betriebssystem wieder komplett hochfahren und alle anstehenden Updates zu installieren. Erst als alle Updates zum Installieren bereit standen, durfte das System abgeschaltet werden.
Und das geht am Besten so: checken, wie viele freie Tage mehr noch drin sind, mal kurz das nicht vorhandene Geld zählen, damit ich weiss, bis wohin es langt, ein bisschen telefonieren und dann buchen.

Kärnten. Cluburlaub.
Kleines beschissenes Leben, was willst Du mehr?
Spiel, Spass, Spannung. Ruhe bei Bedarf. Stille. Grün. Wiesen, Felder und Auen. Ich kann es mir, so ich denn mag, aussuchen.
700 ungefahrene Kilometer liegen am vergangenen Freitag vor mir. Doch freu mich auf die Fahrt. Me, myself and I sind allein, Musik ist dabei, die Durcheinandergedanken im Gepäck und irgendwie weiss kaum jemand, dass ich dann mal weg bin. Während ich fahre, versuche ich das Max an gebotenen Landschaftseindrücken mitzunehmen. Das ist nicht wie in Südamerika. Schon gar nicht wie in Sao Paulo. Der Chiemsee - verdammt lang ist es her, dass ich den gesehen hab und plötzlich finde ich mich in einer Kulisse wieder, die mich so dermassen umhaut, dass ich es selbst kaum glaube. 'La Linea' ist weg - stattdessen hat Bob Ross die Pinselführung übernommen und mich heimlich still und leise in die Österreichische Landschaft gemalt. Genauer gesagt, nach Kärnten. Sachte tupft er noch ein paar Wölkchen an den Himmel, dort einen kleinen Vogelschwarm und mir ein Tränlein, welches mir aus dem linken Augenwinkel läuft. Das grün ist so grün, dass es grüner schon nicht mehr sein kann. Ich meine es durch meine Augen hindurch riechen zu können. Es flasht mich - wie man so neudeutsch sagt.

Singleurlaub. Cluburlaub. Ob das was kann?
Noch weiss ich es nicht, werde mich überraschen lassen. Jedenfalls bin ich weg von zu Hause, habe die Möglichkeit einen temporären Strich unter mein europäisches und südamerikanisches Leben zu setzen und den Reboot zu starten. Es macht mir ein klein wenig Angst, die nächsten Tage in dieser Idylle mit mir ganz allein zu verbringen, bin ich es doch schon gar nicht mehr gewohnt, so viel Ruhe um mich herum zu haben. Was stell ich nur mit mir an? Doch erst mal ankommen ... Einchecken ... Zimmer beziehen. Ein hübsches Zimmer. Sogar mit Treppe zur Schlafstube. So, wie ich das haben mag. Das gefällt mir.
Auspacken. Ankommen. Und dann malt Bob das nächste Bild und mich direkt auf den Wanderweg zur nächsten Alm. Am Mann trage ich nichts anderes, als meine Klamotten und inmitten der Natur lass ich den Gedanken, dem Leben und und und freien Lauf.

Zwei Tage und etliche Aktivitäten später spüre ich Körper Geist und Seele. Vollzeit Sportprogramm und Extrem Outoor Aktivitäten ergeben sich einfach. Ich plane nichts, gebe dem nach, wonach mir der Sinn steht.
Allmählich löst sich der Knoten. Langsam fällt das Atmen wieder leichter, wenngleich der Ursprungszustand noch nicht ganz hergestellt ist. Doch es wird. Das merke ich. Doch ich merke auch, dass ich mir Zeit geben muss. Und etwas ganz wichtiges lerne ich. Ich lerne zu entschleunigen. Zumindest in diesen Tagen auf der Alm. Der Weg ist das Ziel. Das Ziel zu mir.

Gut ist, was gut tut.

Gehabt euch wohl,
Eure Jana